Rückenschmerzen ganzheitlich verstehen
Der Schmerzort ist selten der Ursprungsort. In über 30 Jahren Praxis in Hamburg habe ich gelernt: Wer den Rücken wirklich verstehen will, muss den ganzen Körper befragen.
Torsten Liem
MSc Osteopathie · MSc Kinderosteopathie · MSc Sportosteopathie
Osteopathische Behandlung bei Rückenschmerzen – Osteopathiezentrum Liem Hamburg
Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Gründen, warum Menschen meine Praxis aufsuchen. Besonders häufig sehe ich Berufstätige mit langer Bildschirmarbeit, junge Eltern mit einseitigen Trageroutinen und Menschen über 50, bei denen sich jahrelange Belastungen summiert haben. Viele hatten bereits eine Odyssee hinter sich: Schmerzmittel, Spritzen, bildgebende Verfahren — und trotzdem blieb der Schmerz.
Rückenschmerzen sind ein Symptom — keine Diagnose
Wenn Patienten mit Rückenschmerzen zu mir kommen, höre ich oft den Satz: „Mein Bandscheibenvorfall tut weh.“ Oder: „Ich habe einen Hexenschuss.“ Das sind verständliche Beschreibungen — aber sie greifen zu kurz. Rückenschmerzen sind ein Symptom, keine eigenständige Erkrankung.
Die Frage, die mich als Osteopath interessiert, lautet immer: Warum genau an dieser Stelle? Warum gerade jetzt? Und welche Strukturen im Körper tragen möglicherweise dazu bei, dass der Rücken diese Belastung nicht mehr kompensieren kann?
Der Ort, an dem Sie den Schmerz spüren, ist häufig nicht der Ort, an dem das Problem entstanden ist.
Torsten Liem · Osteopathiezentrum HamburgWarum der Schmerzort oft nicht der Ursprungsort ist
Der Körper ist eine funktionelle Einheit. Jede Struktur steht über Faszien, Nerven und Gelenkketten mit anderen in Verbindung. Wenn an einer Stelle eine Einschränkung besteht, muss der Körper an anderer Stelle kompensieren — oft über Jahre hinweg.
Ich beschreibe Ihnen drei Bereiche, die ich in meiner Praxis besonders häufig als stille Mitverursacher finde — weit entfernt von der schmerzenden Stelle.
Der Kiefer als stiller Mitverursacher
Ich erlebe regelmäßig Patienten mit hartnäckigen Nackenschmerzen, deren eigentliches Thema im Kiefergelenk liegt. Eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) oder nächtliches Zähneknirschen können über muskuläre und fasziale Ketten bis in den Rücken ausstrahlen. Eine Patientin kam kürzlich mit seit zwei Jahren bestehenden Nackenschmerzen, die auf zahlreiche Massagen und Physiotherapien nicht angesprochen hatten. Erst die Untersuchung des Kiefergelenks und eine interdisziplinäre Behandlung mit ihrer Zahnärztin führten zu spürbarer Besserung. → Mehr zu CMD und Osteopathie
Organe und innere Spannungen
Auch die inneren Organe können an Rückenschmerzen beteiligt sein. Eine verspannte Zwerchfellregion, Verklebungen nach Bauchoperationen oder eine träge Verdauung können über bindegewebige Verbindungen Einfluss auf die Lendenwirbelsäule nehmen. Nierenregion und Leber stehen über Faszien mit dem unteren Rücken in Beziehung.
Füße, Becken, Narben
Selbst eine alte Sprunggelenksverletzung oder eine Narbe nach einem Kaiserschnitt kann das Bewegungsmuster so verändern, dass der Rücken jahrelang überlastet wird. Viele Frauen berichten Jahre nach der Geburt über Kreuzschmerzen, die bildgebend unauffällig bleiben. In meiner Praxis suche ich deshalb systematisch nach diesen stillen Mitspielern — weit über die schmerzende Region hinaus.
Rückenschmerzen osteopathisch behandeln — Ursachen erkennen statt Symptome überdecken
Häufige Beschwerdebilder — und der osteopathische Blick darauf
LWS-Syndrom und unterer Rücken
Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule sind der Klassiker. Oft stehen sie in Verbindung mit langem Sitzen, einseitiger Belastung oder einer überforderten Beckenregion. Osteopathisch arbeite ich an der Beweglichkeit der einzelnen Wirbelsegmente, am Zwerchfell, an den Hüftgelenken und an den faszialen Verbindungen zum Bauchraum.
Hexenschuss (Lumbago)
Der akute Hexenschuss fühlt sich dramatisch an. Aus osteopathischer Sicht ist er selten eine reine „Schiefstellung“. Meist sehe ich eine Kombination aus wochenlanger muskulärer Schutzspannung, reduzierter Zwerchfellbewegung und einem akuten Auslöser. Sanfte osteopathische Techniken können helfen, die muskuläre Schutzspannung zu regulieren und die Beweglichkeit schrittweise wiederherzustellen.
Bandscheibenvorfall
Nicht jeder Vorfall verursacht Schmerzen, und nicht jeder Rückenschmerz ist ein Bandscheibenvorfall. Bei bestätigter Diagnose arbeite ich eng mit den behandelnden Ärzten zusammen. Bei Lähmungserscheinungen oder Blasen-/Darmstörungen gehört der Patient jedoch umgehend in ärztliche Behandlung.
Chronische Verspannungen
Muskuläre Verspannungen im oberen Rücken und Nacken sind oft Ausdruck von langanhaltendem Stress, langer Bildschirmarbeit oder einer insgesamt reduzierten Atmung. Hier setze ich häufig Elemente der PSO ein — die Psychosomatische Osteopathie betrachtet körperliche und emotionale Spannungsmuster gemeinsam. → Mehr zu chronischen Schmerzen
Was Sie selbst tun können
01 — Bewegung
Stehen Sie alle 30–45 Minuten kurz auf. Der Rücken liebt Abwechslung, nicht Hochleistung.
02 — Atmung
4 Sekunden ein, 6 halten, 8 aus. Fünf Mal, dreimal täglich. Das Zwerchfell mobilisiert sich — und entlastet die Lendenwirbelsäule spürbar.
03 — Arbeitsplatz
Bildschirm auf Augenhöhe, Füße flach auf dem Boden, Unterarme entspannt auf dem Tisch. Kleine Korrekturen mit großer Wirkung.
04 — Wärme vs. Kälte
Wärme bei chronischen Verspannungen. Kälte bei frisch entzündeten, geschwollenen Bereichen. Hören Sie auf Ihr Empfinden.
05 — Emotionale Belastung
Stress und ungelöste Konflikte spiegeln sich im Körper, oft im Rücken. Erholungsphasen sind keine Schwäche — sie sind Prävention.
Wichtig zu wissen
Folgende Warnzeichen sollten Sie umgehend ärztlich abklären lassen: plötzliche Lähmungserscheinungen, Taubheit im Genital- oder Analbereich, Kontrollverlust über Blase oder Darm, starker Nachtschmerz, unerklärter Gewichtsverlust, Fieber in Verbindung mit Rückenschmerzen.
Häufige Fragen
Hilft Osteopathie bei akuten Rückenschmerzen?
Ja, auch bei akuten Beschwerden wie einem Hexenschuss kann Osteopathie unterstützend eingesetzt werden. Wichtig ist, dass vorher ernsthafte Ursachen ärztlich ausgeschlossen sind.
Wie schnell spürt man eine Besserung?
Das ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Patienten berichten schon nach der ersten Sitzung von einer Entlastung. Bei chronischen Verläufen kann sich die Wirkung über mehrere Behandlungen entfalten. Individuelle Behandlungsergebnisse können variieren.
Ist Osteopathie bei einem Bandscheibenvorfall erlaubt?
Bei einem diagnostizierten Bandscheibenvorfall ohne neurologische Ausfälle kann Osteopathie begleitend eingesetzt werden — in Abstimmung mit den behandelnden Ärzten. Bei Lähmungen oder Blasen-/Darmstörungen gehört der Patient umgehend in ärztliche Behandlung.
Über den Autor
Torsten Liem, MSc Osteopathie, MSc Kinderosteopathie, ist Osteopath mit über 30 Jahren Praxiserfahrung in Hamburg und Entwickler der Psychosomatischen Osteopathie (PSO). Er behandelt an beiden Standorten in Wellingsbüttel und Barmbek.
Mehr über das Team →Osteopathie ersetzt keine ärztliche Diagnose oder schulmedizinische Behandlung. Bei akuten oder unklaren Beschwerden empfehlen wir zusätzlich den Besuch beim Arzt. Individuelle Behandlungsergebnisse können variieren.
Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre Beschwerden mehr als nur eine lokale Ursache haben, lohnt sich ein persönliches Gespräch.
oder telefonisch · 040 / 39 35 14